Psychoakustik
Entwurf14. Mai 2021

Binaurale Rhythmen und die Grenzen des menschlichen Gehörs

Menschen können eine 8Hz-Gehirnwellenfrequenz nicht direkt hören - aber das Gehirn kann den Unterschied zwischen zwei Tönen hören, die 8Hz auseinanderliegen.

Das menschliche Gehör reicht etwa von 20Hz bis 20.000Hz. Gehirnwellenaktivität - die im EEG sichtbaren Alpha-, Beta-, Theta- und Delta-Bänder - liegt weit darunter, bei etwa 0,5-40Hz, und ist für sich genommen unhörbar.

Binaurale Beats umgehen diese Grenze. Spielt man zwei leicht unterschiedliche Töne ab, einen pro Ohr - etwa 136,10Hz und 144,10Hz -, nimmt das Gehirn die 8Hz-Differenz zwischen ihnen als langsam pulsierenden Rhythmus wahr, nicht als zwei getrennte Tonhöhen. Diese 8Hz-Differenz liegt im Alpha-Bereich, der mit einem entspannten, wachen Zustand verbunden ist.

Eine Möglichkeit, diese Komponententöne zu erzeugen, ohne sie von Grund auf zu synthetisieren: von einer einzigen Feldaufnahme ausgehen - in diesem Fall Waldambiente, aufgenommen mit einem tragbaren Zoom H5 - und die Zielfrequenzen per EQ isolieren, statt Töne auf die Aufnahme zu legen. Die Töne existierten bereits im Originalmaterial; die Aufgabe bestand darin, sie herauszutrennen.

Ein verwandtes Prinzip, das für Panning und räumliches Mischen allgemein nützlich ist: Menschen lokalisieren eine Schallquelle bei hohen Frequenzen deutlich präziser als bei tiefen. Eine brauchbare Faustregel, immer wenn eine Mixentscheidung darauf hinausläuft, wo etwas im Stereo- oder Raumfeld sitzen soll.

Adaptiert aus einem binauralen Spatial-Audio-Projekt, das Philipp während seines Studiums an der BIMM Berlin realisiert hat.